Linsen als Eiweißquelle - Züchtung für Acker und Teller

Ernährung, Forschung
12.06.2019

Noch sind sie spärlich gesät: Linsen aus deutschen Landen. Für ein Comeback der Linse auf heimischen Feldern machen sich nun Wissenschaftler*innen, Züchter*innen und Landwirt*innen in einem interdisziplinären Forschungsvorhaben der Eiweißpflanzenstrategie stark. Gemeinsam wollen sie neue Linsensorten züchten, um die traditionelle Kulturpflanze wieder heimisch zu machen und den Anbau in möglichst viele Regionen auszudehnen.

Ob gelb oder braun, mild oder nussig-aromatisch, mehlig oder fest kochend – keine andere Hülsenfrucht ist farblich und geschmacklich so vielfältig wie die Linse. Für eine vollwertige Ernährung sind die eiweißreichen Samen eine wertvolle Bereicherung. Bis vor hundert Jahren war die Linse in Deutschland noch weit verbreitet. Heute dagegen ist die traditionelle Kulturpflanze nur noch in wenigen Regionen wie der schwäbischen Alb anzutreffen. Dabei sprechen gute Argumente dafür, dass Landwirt*innen wieder vermehrt Linsen in Deutschland anbauen: Immer mehr Menschen ernähren sich vegetarisch, bevorzugen regionale Bioprodukte und wissen um den Wert alter Kulturpflanzen. Als Leguminose bereichern sie die Fruchtfolge im ökologischen Landbau und erhöhen die Biodiversität auf dem Acker. Gesund sind Hülsenfrüchte aber auch für den Boden, denn sie können mithilfe von Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln Stickstoff aus der Luft binden.

Weil der heimische Linsenanbau nur noch regional von Bedeutung ist, ist die mitteleuropäische Linsenzüchtung in den vergangenen Jahrzehnten zum Erliegen gekommen. Ein Bündnis aus Wissenschaftler*innen, Züchter*innen und Praktiker*innen will das ändern und Linsen hierzulande wieder heimisch machen. Das ist das Ziel eines dreijährigen Züchtungsprojektes, das vom Zentrum Ökologischer Landbau der Universität Hohenheim (ZÖLUH) koordiniert wird. Das Projekt ist Teil der Eiweißpflanzenstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Um den Linsenanbau in möglichst viele Regionen Deutschlands auszudehnen, muss sich das Sortenspektrum vergrößern. Entscheidend ist hierbei, ertragsstarke und widerstandsfähige Sorten zu züchten. Hierfür nutzen die Züchter 100 in der Genbank IPK Gatersleben eingelagerte Muster. Die vielversprechendsten Sorten werden in Feldversuchen und in Praxisbetrieben angebaut. So findet man Schritt für Schritt all jene Sorten, die hierzulande gut wachsen und sich besonders gut für den ökologischen Landbau eignen – und letztlich unseren Speiseplan bereichern.

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Eine Initiative im Rahmen des Nationalen Programms für nachhaltigen Konsum