Nachhaltige Insektenzucht in Kambodscha und Thailand

FORSCHUNG, ERNÄHRUNG
04.03.2020

Die Bekämpfung von Fehlernährung, insbesondere bei Müttern und Kindern, durch innovative Lebensmittel aus lokalen Ressourcen – das ist das Ziel des vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) finanzierten Projekts „IFNext“ („Bringing insect farming to the next level“) zur Förderung der nachhaltigen Insektenzucht in Kambodscha und Thailand.

In Kambodscha wütet die Afrikanische Schweinepest, und Kleinbäuer*innen sind besonders davon betroffen. Einige der Farmer züchten seit einiger Zeit im Rahmen des vom BMEL geförderten Forschungsprojektes auch Grillen als Lebensmittel. Da Speiseinsekten fast ausschließlich als frittierte Snacks angeboten werden, sollen neuartige, länger haltbare Erzeugnisse entwickelt werden, die auf lokalen Märkten verkauft werden können. Viele Insektenarten lassen sich außerdem nachhaltig aus Nebenerzeugnissen und mit weniger ökologischen Einschnitten als herkömmliche Nutztiere züchten.

Im Januar und Februar haben die deutschen Projektteilnehmer*innen ihre Kolleg*innen in Bangkok und Phnom Penh besucht. In der kambodschanischen Provinz Takeo nehmen 20 Familien aus zwei Dörfern an IFNext teil. Anfangs wären sie skeptisch gewesen, denn normalerweise werden Insekten gefangen und frisch zubereitet. Die Idee, Grillen selbst zu züchten, war ungewohnt. Seit letztem Jahr züchten sie Mittelmeer- und Steppengrillen auf der Basis von Kükenfutter und wildwachsenden Nutzpflanzen wie Wasser- und Baumspinat.

Aufgrund der Afrikanische Schweinepest haben viele Kleinbäuer*innen ihre Bestände aufgeben müssen, darunter auch einige der an IFNext teilnehmenden Familien. In ressourcenarmen, kleinbäuerlichen landwirtschaftlichen Produktionssystemen ist das Risikomanagement extrem wichtig. Ein Absicherungsmechanismus gegen klimawandelbedingte Ernteausfälle oder Verluste durch Tierkrankheiten ist die Mischwirtschaft. Die Zucht der Grillen ist weiterhin möglich und sichert über den Verkauf an einen Zwischenhändler ein Zubrot. Diese Entwicklung hat das Interesse der Nachbar*innen geweckt, auch das derjenigen, die dem Projekt eher kritisch gegenüberstanden.

Das Projekt IFNext wird seit 2019 im Rahmen der Bekanntmachung, „Innovative Ansätze zur Verarbeitung lokaler Lebensmittel in Subsahara-Afrika und Südostasien, die zu einer verbesserten Ernährung beitragen sowie qualitative und quantitative Verluste reduzieren“ vom BMEL gefördert. Die Betreuung des Projektes liegt bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im Referat 334: „Internationale Forschungskooperationen zu Welternährung“. Projektleiter ist Dr. Nils Th. Grabowski (Twitter und ResearchGate).

Eine Initiative im Rahmen des Nationalen Programms für nachhaltigen Konsum