Alltagsprodukte aus Plastik: Chemikalienmix aus schädlichen und unbekannten Substanzen

VERBRAUCHERSCHUTZ, FORSCHUNG
02.12.2019

In drei von vier untersuchten Alltagsprodukten aus Plastik befinden sich schädliche Chemikalien. Ein Großteil der Substanzen in diesem Chemikalienmix war nicht identifizierbar. Das sind Ergebnisse einer Laborstudie, die die vom BMBF geförderte SÖF-Nachwuchsgruppe PlastX unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung kürzlich veröffentlicht hat.

Kunststoffe sind vielseitig, praktisch und langlebig, sie sind allgegenwärtig und scheinen unverzichtbar. Um diese vielseitige Anwendbarkeit zu erreichen, enthalten Kunststoffe eine große Zahl an Chemikalien, von denen nur einzelne Bekannte ausführlich untersucht sind (z.B. Bisphenol A, Phthalate). Um einen Überblick über die Gesamtheit an Chemikalien in Kunststoffprodukten zu erhalten, hat die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Förderschwerpunkt Sozial-ökologische Forschung (SÖF) geförderte Nachwuchsgruppe PlastX (ein Verbundprojekt unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung) eine Laborstudie mit 34 Alltagsprodukten aus Kunststoff, wie z.B. Joghurtbecher und Trinkflaschen, durchgeführt. (Zimmermann et al. 2019). Mithilfe eines Lösemittels wurden die chemischen Inhaltsstoffe aus den Kunststoffen herausgelöst und in Zelltestes auf ihre Toxizität untersucht. Das Ergebnis: Drei Viertel der Produkte enthielten Substanzen, die toxisch auf Zellen wirken oder endokrine, also hormonähnliche Effekte hervorrufen. Insgesamt enthielten die Produkte mehr als 1400 Chemikalien, von denen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nur 20 % mittels chemischer Analyse identifizieren konnten. Das bedeutet, dass ein Großteil der Chemikalien in Kunststoffen unbekannt ist und nicht auf seine Sicherheit für Mensch und Umwelt untersucht werden kann. Die Effekte und Chemikalien variierten mit dem Kunststoffmaterial. So enthielten Kunststoffe aus Polyvinylchlorid (PVC) und Polyurethan (PUR) eine größere Anzahl von Chemikalien als etwa die aus Polyethylenterephthalat (PET). Allerdings lässt sich nicht durchgängig vom Materialtyp auf seine Sicherheit schließen. Die Anzahl an Chemikalien und deren mögliche Effekte variieren stark je nach Produkt. So zeigte die Studie, dass während ein Joghurtbecher bedenkliche Substanzen enthielt, ein anderer frei davon war.

Selbst der als Alternative gehandelte Biokunststoff Polymilchsäure (PLA), der aus pflanzlicher Biomasse hergestellt wird und bioabbaubar ist, enthielt schädliche Substanzen.

Um in Zukunft die Sicherheit von Alltagsprodukten zu gewährleisten, sollte es für alle Kunststoffproduzenten die Auflage geben, die Inhaltstoffe transparent zu machen und die Unbedenklichkeit ihrer Produkte zu garantieren. Hier sollte auch die Politik Verantwortung übernehmen. Solange dies nicht der Fall ist, gibt es die Möglichkeit, auf Kunststoffprodukte und Plastikverpackungen zu verzichten. So gibt es inzwischen in vielen Städten Unverpacktläden, die einen verpackungsfreien Einkauf ermöglichen. Da oft alternative Verpackungsmaterialien wie z.B. Papier nicht weniger durch Chemikalien belastet sind, ist eine Reduzierung von allen Verpackungsmaterialien der erstrebenswerteste Weg. Dies hat zugleich den Vorteil, dass weniger Abfall entsteht.

Mehr zum PlastX Projekt.

Mehr zur BMBF-Fördermaßnahme „Nachwuchsgruppen in der Sozial-ökologischen Forschung“

Eine Initiative im Rahmen des Nationalen Programms für nachhaltigen Konsum